Universität Hamburg Fachbereich 11 - Mathematik

Institut für Geschichte der Naturwissenschaften, Mathematik und Technik


Wichtiger Hinweis:

7.-8. April 2000, IGN, Hamburg

Popularisierung der Naturwissenschaften

Internationales Symposium
zum 40jährigen Jubiläum des IGN Hamburg

Ausstellung 'Popularisierung der Naturwissenschaften'


in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg

Katalog zur Ausstellung 'Popularisierung der Naturwissenschaften',
hrsg. von Gudrun Wolfschmidt, Institut für Geschichte der Naturwissenschaften,
250 Seiten, 38 Abbildungen, Preis 15.- DM,
erhältlich beim Institut für Geschichte der Naturwissenschaften



Sommersemester 2000

Vorträge im Rahmen des Seminars

Neuere Forschungen zur Geschichte der
Naturwissenschaften, Mathematik und Technik

Montags 18.00 - 19.30 Uhr,
Geomatikum (Bundesstr. 55),
Hörsaal 6 (Erdgeschoß)


Programmübersicht Kolloquium - Sommersemester 2000

Gesamt-Programm zum Ausdrucken

Inhaltsangabe der Vorträge

08. Mai 2000

22. Mai 2000

29. Mai 2000

05. Juni 2000

Dienstag 20. Juni 2000, 16 Uhr Termin!

26. Juni 2000

3. Juli 2000

10. Juli 2000



Karin Reich, Gudrun Wolfschmidt


Vgl. die Vorträge im Kolloquium über Reine Mathematik (im Mathematischen Seminar)
Vgl. die Vorträge im Mathematischen Kolloquium
Vgl. die Vorträge im Astronomischen Kolloquium der Hamburger Sternwarte
Vgl. die Vorträge im Vorträge bei DESY und in der Physik (Jungiusstr.)
Siehe auch: Vorträge in der Mathematischen Gesellschaft Hamburg
Vgl. die Vorträge im Philosophischen Kolloquium

Siehe auch die folgenden Veranstaltungshinweise:

Tagungen, Ausstellungen, u.s.w.

Geplante Vorträge im nächsten Semester

Frühere Kolloquiumsvorträge



Inhaltsangabe der Vorträge

Prof. Dr. Alexander Kreuzer (Hamburg)
Geschichte der Perspektive.

Unter Perspektive versteht man die Abbildung 3-dimensionaler Objekte auf eine Zeichenebene mit Hilfe einer Zentralprojektion. Es werden einige einfache grundlegende Begriffe wie Hauptpunkt, Horizont, Distanzpunkte erläutert.
An Beispielen wird gezeigt, daß aus der ägyptischen, griechischen, römischen, byzantinischen, romanischen und gotischen Malerie keine Bilder mit mathematisch korrekter Perspektive erhalten sind.
Die ersten Bilder mit korrekter Perspektive findet man ab 1426 in der italienischen Frührenaissance (Masaccio, Dreifaltigkeitsfresco, S. Maria Novella, Florenz), während die Bilder der sogenannten nordischen Frührenaissance (Spätgotik) Darstellungen mit guter Tiefenwirkung, aber ohne korrekte mathematische Konstruktion zeigen (Jan van Eyck, Robert Campin, Rogier van der Weyden). Kurze Zeit später werden die ersten Bücher mit 'Konstruktionsanleitungen' geschrieben (1436 Alberti, 1460 Piero della Francesca, 1498 Leonardo da Vinci, 1525 Albrecht Dürer).
Ausgehend von der Kunst entwickeln sich in den folgenden Jahrhunderten die mathematischen Gebiete der darstellenden und projektiven Geometrie.

Prof. Dr. Ulrich Gähde (Hamburg)
Die Perihel-Anomalie des Planeten Merkur aus wissenschaftstheoretischer Sicht.

1859 entdeckte der französische Astronom Le Verrier eine zwar geringfügige, aber folgenreiche Abweichung zwischen Theorie und Erfahrung: Die mit Hilfe der Newtonschen Gravitationstheorie berechnete Bahn des Planeten Merkur stimmte nicht mit den beobachteten Planetenörtern überein. Der Vortrag zeichnet die Geschichte der Korrekturversuche nach, die im Rahmen der klassischen Physik zur Abwehr dieser Anomalie unternommen wurden. Diese Korrekturversuche werden im Raster eines modernen wissenschaftstheoretischen Konzepts - des Konzepts sog. 'Theorien-Netze' - analysiert. Dies ermöglicht Einblicke in die Mechanismen, mit denen sich eine etablierte, hervorragend bewährte Theorie gegen hartnäckige Konflikte mit der Erfahrung zur Wehr setzt.

Dr. Karl von Meyenn (Max-Planck-Institut für Physik München)
Die Edition des wissenschaftlichen Briefwechsels von Wolfgang Pauli.

Vor 75 Jahren hat der damals noch als junger Assistent in Hamburg wirkende Wolfgang Pauli das nach ihm benannte Ausschließungsprinzip entdeckt. Damit war nicht nur die lange gesuchte Erklärung für den Aufbau des Periodensystems der Elemente gefunden, sondern zugleich auch die Stabilität der gesamten uns umgebenden Materie auf ein fundamentales Naturprinzip zurückgefürt.
Als ebenso fruchtbar erwies sich aber auch seine Anfang der 30er Jahre - zunächst in Briefform - formulierte Neutrinohypothese. Sie gab Anstoß zur Entwicklung einer feldtheoretischen Beschreibung der wechselwirkenden Elementarteilchen (wie der des radioaktiven ß-Zerfalls) und fand 1956 durch den direkten Nachweis des postulierten Teilchens durch Cowan und Reines ihre Bestätigung.
Pauli stand noch in der älteren Tradition des briefeschreibenden Gelehrten. Gemäß dem Gaußschen Siegelspruch pauca sed matura machte er nur wohl ausgereifte Ideen durch Veröffentlichung allgemein zugänglich. Ein Großteil seiner diesem Anspruch noch nicht genügenden Gedanken, die z.T. auch weit über das rein Fachwissenschaftliche hinausgehen, sind in seinem umfangreichen Briefwechsel niedergelegt.
Die Veröffentlichung dieses rund 7500 Druckseiten umfassenden Nachlasses steht demnächst vor dem Abschluß. In dem Vortrag soll über Inhalt und Umfang der einzelnen Korrespondenzen berichtet und auf ihre Bedeutung für die wissenschaftshistorische Forschung eingegangen werden.

Prof. Dr. Otto Kraus (Hamburg)
Von essentialistischer Klassifikation zur phylogenetischen Systematik der Organismen.

Seit der Antike und bis weit über Linnés 'Systema naturae' hinaus sind Systeme auf dem Gebiet der Biologie eher Einteilungsschemata gewesen. Sie werden treffender als Klassifikationen bezeichnet und dienten primär dem Zweck des Einordnens und der Identifikation. Es war Darwin, der demgegenüber 1859 einen ersten Stammbaum zeichnete, wenngleich in Gestalt eines neutralen Schemas. Sieben Jahre danach, 1866, verhielt sich HAECKEL mit seinem Entwurf eines 'Monophyletischen Stammbaums der Organismen' wesentlich zupackender. Diese Vorgehensweise ist bis in unsere Zeit auch dann noch beibehalten worden, als sie längst überholt gewesen war: HENNIG hatte bereits 1950 die Grundzüge einer Theorie der 'Phylogenetischen Systematik' entwickelt, die den Anspruch erhebt, die Stammesgeschichte müsse rückschreitend rekontruiert und die Ergebnisse seien in einem damit nicht länger beliebigen, sondern in einem im wörtlichen Sinne natürlichen System abzubilden. Seit einigen Jahren hat sich allerdings die Ansicht ausgebreitet, Computerprogramme sowie die Verwendung molekularer Daten bewirkten ein höheres Maß an Objektivität.

Dr.habil Moritz Epple (Mainz)
Vom Raumproblem zum Raumformenproblem: Über einige Beziehungen zwischen 'nicht-euklidischer Revolution' und den Anfängen der modernen Topologie.

In den vielfältigen Auseinandersetzungen des späten 19. Jahrhunderts ueber den Status und die mathematische Präzisierung des Raumbegriffs wurde auch die Frage nach der topologischen Gestalt des wirklichen Raums aufgeworfen. Diese Frage fand um 1890 eine engere Fassung im Problem der sog. Clifford-Kleinschen Raumformen. In meinem Vortrag möchte ich zum einen zeigen, wie eng die Formulierung dieses Problems und die ersten Schritte zu seiner Bearbeitung mit den breiteren Auseinandersetzungen um das Raumproblem verwoben waren. Zum anderen werde ich diskutieren, was die Untersuchungen dieses Problems zur Herausbildung der modernen Topologie beigetragen haben. Auf diese Weise kann exemplarisch nachgewiesen werden, dass auch eine aus späterer Sicht so 'reine' Teildisziplin der Mathematik wie die Topologie in ihrer Entstehungszeit starke Impulse aus der breiteren wissenschaftlichen Entwicklung erhalten hat.

Dr. Fritz Seibel (Hamburg)
Technologie und Verfertigungstechniken provinzial-römischer Glashütten.

Innerhalb der letzten 20 Jahre wurden im rheinischen Braunkohlerevier 'Hambacher Forst' nahe Jülich fünf römische Glashütten ausgegraben. Die fünfte und letzte (Fundplatz HA 132) war die erste großflächige Ausgrabung einer römischen Glashütte in Deutschland. Die Ausgrabung begann 1994 und dauerte bis zum Sommer 1996. Trotz schlechten Erhaltungszustandes war es möglich, aus den Fundamentresten die Grundformen, d.h. Rund- und Halbkreisform der Glasöfen zu erkennen. Ein Vergleich mit den Öfen der früher ausgegrabenen Hambacher Glashütten ergibt für alle die gleichen Grundformen und somit eine Identität der Funktion. Gleiches gilt für das Fundmaterial. Hafenscherben und Glasbruch aller fünf Hütten sind identisch und austauschbar. Es wird nachgewiesen, dass es sich bei den Hambacher Glashütten um Weiterverarbeitungsbetriebe handelte, in denen aus angeliefertem Rohglas naturfabenes Haushaltsglas gefertigt wurde. Nach Klärung der Betriebsform war es möglich, die Funktion der Öfen zu entschlüsseln. Eine Glasverarbeitungshütte verfügt über zwei Ofenarten: Schmelzofen und Kühlofen, die zeitlich und räumlich zusammenarbeiten. Aus der Funktionsbestimmung ergibt sich die Rekonstruktion in Form von Skizzen und Modellen. Es werden archäologische und historische Beweise dafür erbracht, dass Rohglas ein wichtiges Gebrauchsgut war und dass es Werkstätten zur Erzeugung von Rohglas und andere für die Weiterverarbeitung gab. Rohglas wurde in Ägypten und in der Levante hergestellt und von dort in die ganze antike Welt verschifft.

Dr. Karl-Peter Faesecke (Hamburg)
Druckluftgründungen und Unterwassertunnelbau.

Für die moderne Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur ist der Bau unterirdischer Strukturen schon längst unverzichtbar. Wenn dabei wasserführende Schichten durchquert werden müssen, ist seit über 100 Jahren die 'Drucklufttechnik' die Methode der Wahl. Am Beispiel der in Hamburg kürzlich vollendeten '4. Röhre Elbtunnel' für die Autobahn A7 wird die moderne Unterwasser-Tunnelbautechnik erläutert, wobei der Schwerpunkt auf den gesundheitlichen Risiken der unvermeidlichen menschlichen Einsätze im Überdruck liegt. In dem Zusammenhang wird auch der Bau des ersten Hamburger Elbtunnel vor 90 Jahren angesprochen, der wesentliche Impulse für die Druckluftmedizin zeitigte, die bis heute nachwirken. Ein Ausblick auf international geplante und bereits in Angriff genommene Projekte wird die technischen und medizinischen Herausforderungen beleuchten, die dabei zu bewältigen sind.

Dirk Siebers, M.A. (Hamburg)
Die Rolle der Archäologie in der Naturwissenschafts- und Technikgeschichte.

Der Beitrag der Chemie für die archäologische Forschung ist in allen Bereichen groß, sei es bei den naturwissenschaftlichen Datierungsverfahren, der Analyse von Fundmaterialien sowie deren Konservierung. Was aber ist der Beitrag der Archäologie zur Erforschung der Geschichte der Chemie? Für welche Fragestellungen können Sachquellen und der Apparat der Methoden und Techniken der archäologischen Wissenschaften herangezogen werden? Welchen Gebrauch macht die Geschichte der Chemie heute von den Ergebnissen der archäologischen Forschungen?



Anregungungen bitte an:
wolfschmidt@math.uni-hamburg.de
Letzte Änderung: 25. September 2000

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